Logo degrowth

Blog

Jenseits des Wachstums – DBU-Forschungsprojekt startet Befragung von mittelständischen Unternehmen zu deren Wachstumsvorstellungen

06.03.2014

Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg starten heute eine Online-Befragung von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) zum Thema Wachstum. Die Forscherinnen und Forscher wollen herausfinden, wie wichtig wachsende Gewinne oder Beschäftigtenzahlen für die Unternehmensstrategie sind, ob und wie stark die Unternehmen wachsen und welche Unternehmen bewusst nicht wachsen wollen. Sie schließen damit eine Lücke in der Diskussion um eine „Postwachstumsgesellschaft“, in der die Rolle der Unternehmen bislang ausgeblendet war. Die Unternehmensbefragung ist Teil des Forschungsvorhabens „Postwachstumspioniere“, das bis Ende 2014 läuft und von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert wird.

IÖW-Pilotstudie: ‚Nicht wachsen, sondern werden‘ als Motto für den Unternehmenserfolg

„Unternehmen müssen wachsen, wenn sie am Markt bestehen wollen – dieses Credo wurde jahrzehntelang nicht hinterfragt“, sagt Jana Gebauer, Wissenschaftlerin am IÖW. „Als Gradmesser für Erfolg gelten dabei vor allem steigende Gewinne, Umsätze und Beschäftigtenzahlen. Für immer mehr Unternehmen ist ein solches Wachstum jedoch nicht möglich – oder sogar nicht gewollt. Uns interessiert: Sehen sich diese Unternehmen dennoch als erfolgreich an? Und wenn ja: Was sind ihre Erfolgskriterien?“ In einer gerade veröffentlichten Pilotstudie geben die Forschenden am IÖW erste Antworten auf diese Fragen. Sie zeigt vielfältige Ansätze von Unternehmen, sich qualitativ zu entwickeln und gesellschaftlich zu wirken, statt allein zahlenmäßig zu wachsen. Die aktuelle Befragung von KMU soll nun erfassen, wie groß der Anteil dieser wachstumsneutralen Unternehmen ist, in welchen Branchen es besonders viele davon gibt und welche Wettbewerbsstrategien sie verfolgen. Sie ermöglicht erstmals eine differenzierte Betrachtung darüber, wie und warum kleine und mittelständische Unternehmen Wachstum anstreben – oder auch nicht. Die Ergebnisse werden in einem Diskussionspapier zusammengefasst und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Wachstumsneutrale Unternehmen als Vorreiter

Das Projekt „Postwachstumspioniere“ will mittelständischen Unternehmen Möglichkeiten aufzeigen, wie sie besser mit den ökologischen, sozialen und ökonomischen Grenzen des Wachstums umgehen können. Dr. Heinrich Bottermann, Generalsekretär der DBU, ist von der Wichtigkeit des Vorhabens überzeugt: „Permanentes Wirtschaftswachstum ist nicht nur langfristig unrealistisch, es wirft auch erhebliche ökologische und soziale Probleme auf. Deshalb ist es wichtig, nach Alternativen zu suchen. Die sogenannten „wachstumsneutralen Unternehmen“ zeigen, wie es bei gleichzeitiger Existenzsicherung anders geht: Sie orientieren sich nicht vordergründig an wachsenden Umsätzen oder Mitarbeiterzahlen, sondern an Größen wie Arbeits- und Lebensqualität, Ressourceneffizienz und dem ökologischen Nutzen der Produkte und Dienstleistungen. Damit sind sie Vorreiter und gute Beispielgeber für andere Unternehmen.“

Neben der Breitenbefragung erarbeitet das Projektteam Fallstudien zu erfolgreichen wachstumsneutralen Unternehmen, die in einer Broschüre zusammengefasst werden. Im Vordergrund steht hierbei die Frage nach den Unternehmensstrategien, aber auch nach persönlichen Motiven, Chancen und Risiken dieser Art der Unternehmensführung. Auf mehreren Tagungen und Workshops, die sich in erster Linie an Wirtschaftsvertreter/innen richten, können die Projektergebnisse diskutiert und auf ihre Übertragbarkeit hin geprüft werden.

Weitere Informationen zu dem Projekt und zu aktuellen Terminen finden Sie unter www.postwachstumspioniere.de. Hier stehen auch die Ergebnisse der Pilotstudie, erschienen als IÖW-Schriftenreihe 205/13, zum Download zur Verfügung. Diskutieren Sie mit: Auf dem Blog Postwachstum finden Sie Beiträge zur Rolle von Unternehmen in der Postwachstumsgesellschaft, Meinungen und Kommentare zum Thema, Termine, Literaturtipps und vieles mehr.

Zur KMU-Online-Befragung: "Wie wichtig ist Wachstum für KMU?": www.onlineumfragen.com/login.cfm?umfrage=48563 > Kommentieren Sie diesen Artikel auf dem Blog "Postwachstum"

Share on the corporate technosphere


Our republication policy

Support us

Blog

De-[Constructing] Growth: Decoupling Profits from Unsustainable Production*

By: Nicholas A Ashford

Degrowth has been described as a “movement” rather than an ideology1, and as such it presents several variations. For some of its proponents, degrowth is a proxy for sustainable consumption, and to a lesser extent production2. A second group of degrowth advocates are those for whom an emerging discussion of “sufficiency” as a societal norm is taking shape, as a result of activism3. Finally, a t...

Blog

Partners in the Fight against Poverty and Inequality: The Relevance of Degrowth for Development

By: Katherine Trebeck

As policy makers return from Marrakesh puzzling over what a Trump presidency means for the Paris agreement, it is fascinating and wonderful to watch, from a desk in one of the biggest anti-poverty and development organisations, the increased energy, depth, and passion of the degrowth movement. But this movement is unfortunately peripheral to many development conversations. Perhaps that is be...

Blog

Ausschreibung des Kapp-Forschungspreises 2014

Blog postwachstum 567px

Der Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie richtet sich an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im deutschsprachigen Raum und soll Studien zur Ökologischen Ökonomie fördern. Im Jahr 2012 wurden zwei Postwachstumsdenker ausgezeichnet. Für die Ausschreibung 2014 lautet die übergeordnete Themenstellung: „Wirtschaft ohne Wachstum“ Von Interesse sind wissenschaftliche Beiträge, die sich den Wachstumsursachen und -zwängen moderner Ökonomien, der (Un-)Vereinbarkeit wirtschaftlichen Wachstums mit [...]