Nach sechs Tagen mit Workshops, Diskussionen, praktischen Aktivitäten und viel Spaß ist die Sommerschule zu Degrowth und Klimagerechtigkeit auf dem rheinischen Klimacamp nun zu Ende. Unter dem Slogan "Degrowth Konkret" wurden die eher theoretischen Ideen von Degrowth auf konkrete Aktionen wie den Widerstand gegen Braunkohleabbau zugespitzt. Darüber hinaus bot das Camp die Gelegenheit, so etwas wie ein "Degrowth-Leben" praktisch zu erfahren.
Die Infrastruktur für die mehr als 1000 Teilnehmenden war komplett selbst hergestellt, angefangen von Außenduschen und Komposttoiletten über mobile Solarpanele und ein selbstgebautes Windrad, bis hin zu der veganen Feldküche, die auf die ständige Mitarbeit der Camper*innen angewiesen war. Die dezentralen, hierarchiefreien Entscheidungsstrukturen auf dem Camp waren eine weitere Möglichkeit zu erleben, wie sich alternative Organisationsstrukturen anfühlen.
Dies war aber lange nicht alles: viel wichtiger war, dass die Sommerschule ein Ort war für gelebte Solidarität und Schulterschluss mit aktivistischen Bewegungen überall auf der Welt. Es wurde sehr deutlich, dass sich emanzipatorische Bewegungen aus Nord und Süd in all ihrer Vielfalt und mit all ihren Unterschieden dennoch als Teil einer globalen Bewegung für kompletten Systemwandel verstehen. Eine Vision, die verbindet; zum Beispiel die unzähligen Klimagerechtigkeits-Initiativen aus dem globalen Süden mit der Anti-Kohle Bewegung in Deutschland; den Kampf der Kurden in Rojava mit dem südeuropäischen Widerstand gegen Austeritätspolitik; und die Degrowth-Bewegung mit Blockupy, Widerstand gegen TTIP und vielen Weiteren. "Unsere Sache ist auch die Eure" brachte es Heather Milton Lightening, Sprecherin des indigenen Widerstands gegen die kanadischen Ölsande, auf den Punkt.
Auf dem Abschlusspodium wurde jedoch betont, wie wichtig es ist, nicht hier stehenzubleiben, sondern noch einen Schritt weiterzugehen. Tom Kucharz zum Beispiel, politischer Berater von Podemos in Spanien, sieht die große Herausforderung für die Bewegung darin, die Arbeit gegen die verschiedensten Symptome des Versagens unseres Wirtschaftssystem auf eine neue politische Eben zu bringen, und in gemeinsame Aktionen für einen wirklichen Systemwandel zusammenzuführen. Mit Blick auf die große UN-Klimakonferenz in Paris Ende des Jahres sieht er eine Gefahr darin, den Fehler von Kopenhagen zu wiederholen und die Hoffnung auf den offiziellen Prozess zu richten. Stattdessen müsse die Bewegung klar ausgerichtet bleiben und darauf bestehen, dass es nicht um Klimawandel allein, sondern vielmehr um einen Wandel des Gesamtsystems gehe.
Ginge es nur nach der Ausrichtung der Leute hier auf dem Klimacamp, wäre dies allerdings eine unbegründete Furcht. So bekam einer der Teilnehmenden in der Abschlussrunde großen Applaus, als er sagte, die Zeit auf der Sommerschule habe ihn überzeugt, auch an der Aktion "Ende Gelände" teilzunehmen, der Massenaktion gegen Braunkohleabbau als erstem konkreten Schritt direkt im Anschluss an das Camp. In diesem Sinne stellte Klimagerechtigkeitsaktivist Tadzio Müller die Ende Gelände-Aktion in eine Reihe mit vielen historischen Aktionen zivilen Ungehorsams, ohne die es viele historische Errungenschaften niemals gegeben hätte.
Die UTOPIKON ist jetzt vorbei und der Beweis ist erbracht: es ist absolut möglich, eine "echte" Konferenz mit Keynotes, Workshops, Verpflegung und allem, was dazugehört, geldfrei, vegan, ökologisch und solidarisch zu organisieren. Gleichzeitig hat die Konferenz auch noch unglaublich viel Spaß gemacht: selber etwas zu erleben, von dem es geheißen hatte, das das ja eigentlich gar nicht geht, ha...
Aktuell gibt es in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung eine Kontroverse zu Wachstumskritik. Vor einer Woche hat Rainer Hank unter dem Titel „Wachstum im Schneckentempo ist in" in der FAZ einen sehr kritischen Beitrag zur „Degrowth-Bewegung" geschrieben. Darauf antwortete Matthias Schmelzer in einer Replik, die in gekürzter Fassung am 23. Oktober 2016 in der Frankfurter Sonntagszeitung e...
ASA ist ein entwicklungspolitisches Lern- und Qualifizierungsprogramm, das seit über 50 Jahren junge engagierte Menschen darin unterstützt, unsere global vernetzte Welt nachhaltig und verantwortungsvoll mitzugestalten. Aktuell ist das Programm auf der Suche nach geeigneten Projekten für den ASA-Zyklus 2015 und möchte hierbei verstärkt Projekte aus dem Bereich Degrowth und/oder Urban Gardening fördern, da dieser Themenkomplex von den Teilnehmenden der [...]